Konzertkritik

Konzert vom 19.10.2018 im Raatssaal

Musik, die Geschichten erzählt
Musiker spielen zu Claude Debussys 100. Todestag dessen Werke und die seiner russischen Zeitgenossen im Pinneberger Ratssaal
Pinneberger Tageblatt - 23. Oktober 2018 - von Felisa Kowalewski

Harmonisch: Vytas Sondeckis (von links), Christiane Behn und Vérène Andronikoff. Foto: Kowalewski

PINNEBERG Er war einer der größten Vertreter des Impressionismus: Vor genau 100 Jahren – im Jahr 1918 – starb der französische Komponist Claude Debussy. Zu diesem Anlass widmete der Kulturverein Pinneberg (KVP) ihm das zweite Konzert der aktuellen Saison unter dem Titel „Debussy und seine russischen Zeitgenossen“. Dabei traf im Pinneberger Ratssaal eine ungewöhnliche Kombination an Musikern aufeinander: Die Sängerin Vérène Andronikoff, der Cellist Vytas Sondeckis und die Pianistin Christiane Behn, die nicht nur jeweils als Solisten, sondern auch als Trio auftraten.

Auf dem Programm standen mehrere der kurzen Klavierstücke aus Debussys Préludes-Bänden – mal ruhige, meditative Klänge für Behn wie in „La terrasse des audience“ und mal rasende Läufe rauf und runter über die gesamte Länge der Tastatur wie in „Feuxd’artifice“. Doch einer der drei russischen Zeitgenossen wusste das zu toppen: Alexander Skrjabins „Vers la Flamme“ op. 72 beschrieb Behn zuvor als manisch: „Das Stück ist ein einziges Crescendo und besteht hauptsächlich aus nur drei Harmonien“, erläuterte sie dem Publikum. Saß sie bei Debussys Werken noch tief versunken in den Klang auf dem Klavierhocker, so verlangte dieses Stück höchste Konzentration – immer schneller, immer lauter.

Die Sonate für Cello und Klavier von Debussy war beinahe Programmmusik: „Es ist eine kurze Sonate, in der man aber viele Abenteuer erleben kann“, sagte Sondeckis. Man könne darin hören, wie ein junger Mann unter dem Fenster seiner Geliebten die Laute stimmt, um ihr eine Serenade zu singen – bis die Saite reißt. Mit wilden gezupften Passagen und plötzlichen Tonsprüngen wirkte das Stück hastig, fast jazzig. Sondeckis spielte mit fliegenden Haaren und verbissenem Gesichtsausdruck – da konnte sich das Publikum nur zu gut vorstellen, wie der junge Mann im Busch sitzt und verzweifelt versucht, seine Laute spielfähig zu machen.

Ebenfalls im Programm: die „Ariettes Oubliées“ – Vertonungen von Gedichten Paul Verlaines. Diese leben ebenso von Tonmalerei wie die Cellosonate. So hört man etwa in „Il pleure dans mon cœur“ die einzelnen Regentropfen plätschern – auch wenn in diesem Stück Andronikoffs Melodie und Behns Begleitung teilweise nicht ganz sozusammenkamen, wie von Debussy intendiert. In der recht tiefen Lageb einahe sprechgesangartig – gelang Andronikoff eine hohe Textverständlichkeit. Ihre durchdringenden und glasklaren Höhen konnte sie erst in den ariösen Liedern Sergej Rachmaninoffs zeigen, die ihr großen Applaus bescherten. Den meisten Beifall heimsten die Musiker allerdings für die Stücke ein, die sie gemeinsam darboten – darunter eine Pastorale von Igor Strawinsky, die sie extra für ihre Besetzung bearbeiteten, und Debussys Frühwerk „Beau Soir“, ein Duett zwischen Sängerin und Cello begleitet vom Klavier.

An diesem Abend trafen unterschiedliche musikalische Strömungen aufeinander, die dennoch harmonierten. Genauso wie das Zusammenspiel der drei Musiker.

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