Konzertkritik

Konzert vom 27.04.2018 im Ratssaal Pinneberg

Mozart und seine Lehrer
Hamburger Ratsmusik spielt Werke von Bach, Abel und Mozart
Zerrissene Melodien und sprunghafte Harmonien

Pinneberger Tageblatt - 30. April 2018 - von Frauke Heidenreich (Artikel/Fotos)

Rathauskonzert: Die Hamburger Ratsmusik reiste mit dem Publikum in die Zeit von Barock und Frühklassik.

Gambistin Simone Eckert kennen Anhänger der Alten Musik bereits von ihren klangvollen Auftritten in der Drostei. Mit ihrem Ensemble der Hamburger Ratsmusik hat Eckert im Ratssaal 90 Zuhörern ein außergewöhnliches Konzerterlebnis geboten. Das aus Eckert, Christoph Heidemann (Violine), Bettina Ihrig (Viola) und Dorothee Palm (Violoncello) bestehende Quartett interpretierte virtuos und mit Hingabe ein reichhaltiges Repertoire. Es reichte von Wolfgang Amadeus Mozart, Carl Philipp Emanuel Bach und Carl Friedrich Abel bis hin zu Carl Stamitz und Joseph Fiala. „Ich bin begeistert, dass ich dieses Konzert hier erlebe“, sagte die Besucherin Gisela Schiffmann.

Heidemann und Eckert informierten über einzelne Kompositionen und die Beziehungen der Musikerpersönlichkeiten zueinander. Das Publikum erfuhrt bereits zu Beginn, dass der achtjährige Mozart bei Abel ein- und ausging. Die beiden schrieben gegenseitig, zu Übungszwecken, voneinander ab. Als Student Johann Sebastian Bachs und Lehrer Mozarts ist Carl Friedrich Abel ein wichtiges musikalisches Bindeglied in der Zeit zwischen Barock und Klassik.

Mit Abels Quartetto A-Dur für Viola da Gamba, Violine, Viola und Violoncello eröffnete die mit dem Echo-Klassik-Preis ausgezeichnete Hamburger Ratsmusik beschwingt das Konzert. Beim dritten Stück demonstrierten die Musiker, dass auch Bachs Sammlung von Präludien und Fugen, das sogenannte „Wohltemperierte Klavier“ maßgeblichen Einfluss auf Mozarts Musik hatte. Der ältere Mozart hatte Bachs Musik kennen gelernt. Er komponierte beispielsweise das Stück Adagio und Fuge in d-moll KV 404a für Streichtrio 1782 nach dem ersten Teil von Bachs Wohltemperierten Klavier.

Die Akustik des Ratssaals brachte die in fortwährend wechselnder Besetzung spielende Musik der Streicher ausgezeichnet zur Geltung. Nach Mozarts Trio folgte die tadellos interpretierte Sonate D-Dur Wq 137 von Carl Philipp Emanuel Bach in der Bearbeitung für Viola da gamba und Bass. Was viele nicht wussten: Der berühmteste Sohn Johann Sebastian Bachs, Carl Philipp Emanuel, wurde von Haydn, Gluck und Mozart verehrt. Mit den Worten „Er ist der Vater, wir sind die Bub’n. Wer von uns was Rechts kann, hat’s von ihm gelernt“, würdigte Mozart das Wirken C. P. E. Bachs. Das vor allem von Eckert virtuos interpretierte Stück verdeutlichte dessen Stil: Zerrissene Melodien und ungewöhnliche Sprünge sowie Harmonien sind charakteristisch für die Musik. Einen weiteren Akzent setzte das klangvoll zu Gehör gebrachte Quartetto D-Dur von Stamitz. Das von Dorothee Palm zart gespielte Pizzicato verlieh dem mit lyrischer Klangvielfalt behafteten Quartett das gewisse Etwas. Mit der Zugabe eines an Haydn erinnernden Stücks von Hans Xaver Hammer klang das Konzert „Composed to the soul“ stimmungsvoll aus.

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